Es war einmal...

Die Geschichte vom kleinsten Astronom

Vor Zeiten lebten drei Astronomen auf dem Gipfel eines Berges. Auf diesem Berg war ein großes Teleskop zum Gebrauch für die Astronomen. Der größte Astronom war ein sehr intelligenter Theoretiker, der fast alles über die Theorie der Sterne wußte. Der mittlere Astronom war sehr charmant und verstand es, in wundervollen Worten den Sternhimmel zu beschreiben. Der kleinste Astronom, der den beiden anderen häufig zuhörte, hatte viel von den beiden gelernt. Aber er war äußerst begierig nach dem, was man über die Sterne noch herausfinden könnte. Eines Tages sah der kleinste Astronom aus dem Fenster und sagte: " Heute Abend werden wir eine schöne klare Nacht haben, wer möchte das Teleskop benützen? "



" Ich nicht ", sagte der größte Astronom. "ich muß mehrere Schreiben aufsetzen, damit ich Geld erhalte zur Einstellung neuer Assistenten". " Ich nicht ", sagte der mittlere Astronom, "ich muß für morgen ein Fernsehinterview vorbereiten". "Sehr gut", sagte der kleinste Astronom, "so will ich es selbst benutzen", und er tat es.



Am folgenden Tage nahm der kleinste Astronom gerade das Frühstück ein, als die beiden anderen zu Mittag speisten. "Ich habe heute Nacht sehr interessante Beobachtungen gewonnen, wer will mir helfen sie zu reduzieren?". " Ich nicht ", sagte der größte Astronom, "ich muß fünf junge Leute sprechen, die ich für mich als Techniker einstellen möchte". " Ich nicht ", sagte der mittlere Astronom, "nach meinem Fernsehinterview gehe ich zum Essen mit dem Bürgermeister". "Sehr gut", sagte der kleinste Astronom, "so will ich es selbst tun", und er tat es.



Die Jahre vergingen darüber. Der größte Astronom bezog eine Menge Geld für seine Untersuchungen und hatte eine große Zahl von Mitarbeitern, die für ihn arbeiteten und viele interessante Dinge über die Sterne entdeckten. Der mittlere Astronom wurde sehr berühmt. Sein Bild erschien auf den Umschlägen der Illustrierten. Der kleinste Astronom aber verbrachte seine Zeit am Teleskop und am Schreibtisch. Eines Tages fragte er seine Kollegen: "Wer könnte einigen jungen Studenten bei ihren Arbeiten helfen?". " Ich nicht ", sagte der größte Astronom, "ich will sie, falls sie es wünschen, als meine Assistenten einstellen, aber ich habe keine Zeit mich um ihre eigenen Arbeiten zu kümmern". " Ich nicht ", sagte der mittlere Astronom, "aber ich könnte sie wahrscheinlich für eine gute Stellung vorschlagen, wenn sie ihre Studien beendet haben". "Sehr gut", sagte der kleinste Astronom, "so will ich es selbst tun", und er tat es.



Die Studenten kamen und studierten schwer. Sie waren glücklich bei allen drei Astronomen, die auf dem Berg lebten, zu hören und zu lernen, und im Laufe der Zeit verließen sie den Berg und wurden Astronomen auf anderen Bergen überall in der Welt. Der kleinste Astronom war sehr traurig sie fortgehen zu sehen.



Nach vielen Jahren, als die drei Astronomen sehr alt geworden waren, kam der Präsident des Landes, in dem sie lebten, um sie zu besuchen. "Oh, was für ein wundervolles Teleskop haben sie hier", sagte der Präsident. " Benutzen sie das große Teleskop jede Nacht? " fragte er. " Ja " , sagten die drei Astronomen gleichzeitig. "Ich habe sieben Assistenten", sagte der größte Astronom, "jeder von ihnen erhält zwei Nächte im Monat, in denen er für mich beobachtet". "Ich muß immer für die Bilder sorgen", sagte der mittlere Astronom, "wann immer Bilder in Zeitungsberichten über die Arbeit am Teleskop gewünscht werden". "Oh ja", sagte der Präsident, "ich habe sie selbst schon gesehen". "Ich brauche es auch", sagte der kleinste Astronom.



"Und was tun Sie mit den Messungen, die Sie in den Nächten erhalten?", fragte der Präsident. "Ich habe einen Stab von 15 Mitarbeitern, die die bedeutenden Ergebnisse, die wir erhalten haben, auswerten. Ich versuch hier zu sein, um mir wenigstens die Endergebnisse anzusehen, aber gewöhnlich bin ich mit Verwaltungsangelegenheiten sehr belastet", sagte der größte Astronom. "Aber mein Mitarbeiterstab trägt die Ergebnisse zusammen, die ich dann veröffentliche." "Ja, ich habe gesehen, welche große Anzahl von Veröffentlichungen sie haben", sagte der Präsident. "Sie müssen der größte Astronom der Erde sein."



"Ich berichte diese Ergebnisse für die Allgemeinheit", sagte der mittlere Astronom. "Nur mit ihrer Unterstützung können wir die Mittel erhalten, die wir für unseren Mitarbeiterstab brauchen".



"Ich habe einige Studenten, die mir helfen", sagte der kleinste Astronom.



"Gut, gut", sagte der Präsident. "Es wäre für mich eine große Ehre, wenn Sie mit mir und meinem Kabinett zu Mittag essen würden. Mein Wissenschaftsminister würde gern mit Ihnen zusammentreffen", sagte der Präsident zum größten Astronom und sich zum mittleren Astronom wendend, fügte er hinzu: "Mein Minister im Presseamt würde sich sicherlich ein Autogramm von Ihnen erbitten". Dann wendete sich der Präsident an den kleinsten Astronom, da er ein kultivierter und liebenswürdiger Mann war und sagte: "Sie können auch kommen".



"Wir freuen uns sehr", sagten der größte und der mittlere Astronom gleichzeitig. "Nein danke, mein Herr", sagte der kleinste Astronom. "Es ist eine klare Nacht und es wird niemand auf dem Berg sein außer mir. Ich werde das Teleskop benutzen." Und der kleinste Astronom verabschiedete sich von den beiden anderen Astronomen und dem Präsidenten. In der Dämmerung konnten die anderen nicht sehen, daß er lächelte, als er zum Teleskop ging.....



Diese kleine Geschichte wurde von BEVERLY T. LYNDS, Stewart Observatory, University of Arizona, Tucson, in der amerikanischen Zeitschrift "Science", Vol. 141,594 (1963) veröffentlicht. Die deutsche Fassung erschien in der Zeitschrift STERNE UND WELTRAUM 1963/12. Die Redaktion unterzeichnete ein hier nicht wiedergegebenes Nachwort mit "Der kleinste Herausgeber"....

... und wer ist heute noch klein genug ?

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